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Sprengung

Online-Ausstellung Kirchenruine

Gemeindeleben

Die Glocke Nr. 26

Kurz nach 22 Uhr am 14. April 1945 überzogen Flugzeuge der Royal Air Force Potsdam mit einem Bombenhagel. Dabei wurde die Innenstadt schwer getroffen. Das aus 40 Glocken bestehende Glockenspiel der Garnisonkirche stürzte aus dem brennenden Turm zu Boden. Einige Potsdamer sammelten aus den Trümmern der Kirche Glocken und Glockenteile. Der siebenjährige Rainer Sieber erwischte die Glocke Nr. 26 (Fis), die er mit Hilfe seines vierjährigen Bruders Tilman auf dem Tretroller nach Hause transportierte. Die Familie verließ Potsdam 1948, die 3,2 kg schwere Glocke im Gepäck. Sie blieb das Erinnerungsstück an die Potsdamer Heimat. Mehr als 69 Jahre später übergaben sie die wertvolle Glocke an die Stiftung für den Wiederaufbau der Garnisonkirche.

Zeitzeugenbericht von Ursula Weyrauch

Als 8-jähriges Kind kam Ursula Weyrauch im Januar 1945 nach Potsdam zu ihren Großeltern. Sie erinnert sich an die Zusammenkünfte der Zivilkirchengemeinde in der Garnisonkirche. Hier schildert sie auch die Bombardierung Potsdams im April 1945 und den Brand der Garnisonkirche.

Bericht über Verbombung und Brand der Garnisonkirche am 14.04.1945

In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1945 traf der von Deutschland ausgegangene Krieg auch die Stadt Potsdam mit voller Wucht. Trotz Feuerschutzmaßnahmen brannte die Garnisonkirche ab und stürzte in sich zusammen. Der Bericht des Pfarrers Gerhard Schröder schildert das Ausmaß der Zerstörung.

Hans Klohss: Blick auf die zerstörte Garnisonkirche

Der Potsdamer Baustadtrat Arno Neumann hat im Sommer 1945 die Potsdamer Künstler aufgerufen, die Zerstörungen der Stadt zu dokumentieren. In der Bombennacht im April 1945 verlor Potsdam fast die Hälfte seiner historischen Bausubstanz. Die Garnisonkirche wurde zwar nicht direkt getroffen, aber von übergreifenden Flammen des in der Nähe brennenden Langen Stalls erfasst und zerstört.

Blick von der Langen Brücke zum Stadtschloss und Garnisonkirche

Das Hauptangriffsziel der britischen Royal Air Force in der Nacht von Potsdam war die Altstadt. Dementsprechend wurden große Teile der südlichen und östlichen Potsdamer Altstadt sowie das Gebiet nordöstlich des Brauhausberges von Bomben getroffen und erlitten schwerste Schäden: Von 1.656 Gebäuden der Innenstadt waren 509 völlig zerstört, 103 teilzerstört, 989 "bewohnbar" und nur 55 unbeschädigt. Die Infrastruktur lag weitgehend darnieder. Mehrere Tausend Kubikmeter Schutt machten die Straßen im Frühjahr 1945 unpassierbar.

Blick auf die Turmruine der Garnisonkirche mit den Häusern Breite Straße 8 bis 4

Unmittelbar nach Kriegsende begannen die Potsdamerinnen und Potsdamer mit den Aufräumarbeiten. Der Zivilgemeinde der Garnisonkirche fehlten allerdings Mittel und Möglichkeiten, die weitgehend vollständig ausgebrannte Kirche aus eigener Kraft wieder aufzubauen. Der Abriss der Ruine war daher verschiedentlich in Erwägung gezogen worden.

Bericht über die Besichtigung des Turmes

Um der Gefahr einer Sprengung der Kirchenruine und des Kirchturmstumpfes vorzubeugen, initiierte die Gemeinde erste Sicherungs- und Reparaturmaßnahmen. Die finanziellen Mittel mussten durch mehrere Beihilfegesuche an kirchliche und staatliche Stellen, auch aus dem Westen Deutschlands, akquiriert werden. Die Baumaßnahmen beinhalteten unter anderem die Beseitigung baulicher Mängel und die Herrichtung einer Kapelle in der Turmhalle für kirchliche Veranstaltungen.

Bauplan der Heilig-Kreuz-Kapelle in der Turmvorhalle

Im Herbst 1949 erteilte das städtische Bauamt die Baugenehmigung für den Ausbau der Heilig-Kreuz-Kapelle im Fuße des Turmstupfes. Damit sollte der Gemeinde wieder ein Andachtsraum für Gottesdienste, Taufen und Trauungen zur Verfügung gestellt werden. Die Pläne sahen vor, in dem kreuzförmigen Grundriss neben dem Altarbereich drei Flügel mit Sitzbänken zu errichten, in denen etwa 100 Gläubige Platz finden konnten.

Die neuen Glocken

Aus den Resten des beim Brand der Kirche zerstörten Glockenspiels ließ die Gemeinde im Frühjahr 1950 zwei kleine neue Glocken gießen. Ihre Spruchbänder erinnerten an die Garnisonkirche und an ihr bekanntes, von Professor Otto Becker seit 1910 bis Kriegsende gespieltes Glockenspiel. Nach der Einweihung der Heilig-Kreuz-Kapelle am 18. Juni 1950 läuteten sie zum Gottesdienst.

Zeitzeugenbericht von Christine Gottwald

Christine Gottwald, seit 1950 als Gemeindeschwester in der Heilig-Kreuz-Gemeinde tätig, erinnert sich an die neu eingerichtete Kapelle im Turmstumpf der Garnisonkirche.