Offener Brief an den Gemeindekirchenrat der Zivilgemeinde

Noch vor der Reichstagswahl berichteten verschiedene Zeitungen von dem Kabinettsbeschluss, den neuen Reichstag in der Garnisonkirche eröffnen zu wollen. Viele Zeitungen hoben die große Symbolkraft der Garnisonkirche hervor und stilisierten den Ausweichort als Chance zu einem „glücklichen Abschluss der Weimarer Periode.“ Andere reagierten deutlich verhaltener auf die politische Inanspruchnahme der Kirche. Kritische Briefe  wie der des alldeutschen Otto von Roeder betonten, die Kirche dürfe kein „Tummelplatz politischer Leidenschaften“ werden. Andere konservative Kritiker fürchteten Krawalle der mittlerweile verbotenen KPD in der Kirche. Der Evangelische Oberkirchenrat in Berlin und auch der Generalsuperintendenten der Kurmark, Otto Dibelius, lehnten eine politische Veranstaltung in der Kirche zunächst aus religiösen Gründen ab, während der deutschnational geprägte Gemeinderat der Zivilgemeinde und auch der Militärpfarrer zustimmten mit der Maßgabe, dass von „parlamentarischen Verhandlungen“ abgesehen werde.

Offener Brief von Major a.D. Otto von Roeder an Gemeindekirchenrat der Zivilgemeinde (04.03.1933)
Domstiftsarchiv Brandenburg | PoG 84/329

04.03.1933